Beagle "von der Theresienhöhe"


Überschrift

Kieselgur, auch Bergmehl, Diatomeenerde, Diatomeenpelit, Diatomit, Infusorienerde, Kieselmehl, Novaculit, Novaculite, Tripel, Tripolit, Tripolite, Celite, ist eine weißliche, pulverförmige Substanz, die hauptsächlich aus den Siliziumdioxidschalen fossiler Kieselalgen (Diatomeen) besteht.

Die Schalen bestehen zum größten Teil aus amorphem (nicht-kristallinem) Siliziumdioxid (SiO2) und weisen eine sehr poröse Struktur auf. 1 ml reine Kieselgur enthält etwa 1 Mrd. Diatomeenschalen bzw. deren Bruchstücke. „Gu(h)r“ ist ein niederdeutscher Volksausdruck mit der Bedeutung „feuchte, aus dem Gestein ausgärende Masse“. Aus geologischer Sicht ist Kieselgur ein aus fossilem Diatomeenschlamm entstandenes Sedimentgestein, sehr fein geschichtet wird es als „Tripel“ bezeichnet. Aufgrund seiner Materialeigenschaften - leicht und hochporös - ist Kieselgur ein geschätzter Rohstoff und wird industriell genutzt.

 

http://www.chemie.de/lexikon/Kieselgur.html


Die unterschiedlichen Kieselgur-Arten
Die Kieselgur lagerte sich in drei Schichten mit unterschiedlicher Färbung ab. Die Färbung der Kieselgur resultiert aus dem unterschiedlichen Gehalt an Resten organischen Substanzen.

Je tiefer die Schichten liegen, desto höher ist der Anteil an organischen Bestandteilen.

Die Weiße Gur

Die oberste Schicht ist die so genannte "Weiße Gur". Sie lagert teilweise unmittelbar unter der Erdoberfläche. Mit 3 % enthält sie nur noch sehr wenig organische Bestandteile.

In den Anfangsjahren wurde nur die Weiße Gur abgebaut.

Die Graue Gur

Durch die später eingeführte Technik des Brennens konnten inzwischen die organischen Bestandteile entfernt werden. Jetzt wurden auch die anderen Arten abgebaut und genutzt.

Unter der Weißen Gur liegt die so genannte "Graue Gur". Sie enthält bis zu

10 % organische Bestandteile.

Die Grüne Gur

Die unterste Schicht bezeichnet man als die "Grüne Gur". Sie enthält noch ca. 36 % organische Bestandteile. Die Grüne Gur lag auf der Höhe des Grundwasserspiegels.


Vorkommen und Abbau
1836 wurde Kieselgur bei Bohrungen erstmals in der Lüneburger Heide entdeckt.

Abbau- und Lagerstätten in der Lüneburger Heide

Neuohe - Abbau von 1863 bis 1994,
Wiechel von 1871 bsi 1978,
Hützel von 1876 bis 1969,
Hösseringen von ca. 1880 bis 1894,
Hammerstorf von ca. 1880 bis 1920,
Oberohe von 1884 bis 1970,
Schmarbeck von 1896 bis ca. 1925,
Steinbeck von 1897 bis 1928,
Breloh von 1907 bis 1975,
Schwindebeck von 1913 bis 1975 und
Hetendorf von 1970 bis 1994.
Bis zum Ersten Weltkrieg wurde fast der gesamte weltweite Bedarf mit Kieselgur aus dieser Region gedeckt.

Andere Vorkommen

In Deutschland wurde Kieselgur außerdem noch in Altenschlirf am Vogelsberg (Oberhessen) und in Klieken (Sachsen-Anhalt) abgebaut.

Eine bis zu 4 Meter starke Kieselgurschicht entstand auch im Naturschutzgebiet Soos in Tschechien.

Teilweise findet sich Kieselgur in Wüsten auch an der Oberfläche. Wie Forschungen zeigen, gehört der Abrieb des Kieselgurs auf solchen Flächen (etwa in der Bodélé-Senke in der Sahara) zu den bedeutendsten Quellen klimawirksamen Staubs in der Atmosphäre.

Tagebau

Die Kieselgur wurde im Tagebau gewonnen. In den Anfängen wurde die Kieselgur mit der Hand abgestochen und auf Schubkarren aus der Grube transportiert. Später wurde sie in Loren gefüllt, die mit Pferden aus der Grube gezogen wurden. Ab den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden die Loren von Loks gezogen. Der Abbau erfolgte inzwischen mit Baggern.


Bedeutung

In der Lüneburger Heide befanden sich die ersten Kieselgurgruben der Welt. Der Kieselgurabbau entwickelte sich für diese Region zu einem wichtigen Wirtschaftszweig. Bis zum 1. Weltkrieg wurden in Niedersachsen 20.000 bis 25.000 to Kieselgur produziert. Das deckte damals fast den gesamten Weltbedarf an diesem Rohstoff. Nach dem 2. Weltkrieg erreichte die Produktion 50.000 bis 60.000 to. 1994 wurde der Abbau in Norddeutschland unrentabel und eingestellt. Das Abpumpen und die Entsorgung des Grundwassers war eine der Ursachen.


Aufbereitung

1. Schlämmen


Die gewonnene Kieselgur enthielt bis zu 30 % Sand. In einem Schlämmprozess musste die Kieselgur entsandet werden.

Dazu wurde sie in einem Rührbottich zu einem dünnen Brei aufgelöst. Dieser durchfloss mehrere Bassins, in denen sich die schweren sandigen Bestandteile absetzten.

Die von Sand befreite Kieselgur gelangte in Schlämmkästen und setzte sich hier ab. Anschließend wurde die Schlämmgur abgestochen und getrocknet.

2. Trocknen

Die geförderte Kieselgur enthielt bis zu 70 % Wasser und konnte daher so nicht verwendet werden. Sie musste auf handelsübliche 10 % herunter getrocknet werden. Die Gur wurde dazu teilweise in einer Presse zu Steinen geformt. Anschließend erfolgte an der Luft die Trocknung auf Trocknungsplätzen oder in Trockenschuppen.

Diese Trocknung war nur in den Sommermonaten möglich. Die Dauer hing entscheidend von den Witterungsverhältnissen ab.

Die erste künstliche Trocknung von Kieselgur erfolgte in den Kriegsjahren 1917/18 in Steinfurt bei Lauterbach. Man benötigte Kieselgur für die Filter der Gasmasken.

3. Brennen

Die Kieselgur wurde in meilerartigen Brennhaufen (ähnlich der Holzkohlenmeiler) oder in Brennschuppen, bei höchstens 800 °C, gebrannt. Die durchschnittliche Brenndauer betrug 3 - 4 Wochen.

Durch das Brennen wurden die organischen Bestandteile entfernt. Es veränderte sich auch die Farbe aufgrund des Eisenoxyds, das in der Kieselgur enthalten war.

Die "Graue Gur" zeigte eine weißliche bis rein weiße Farbe, die "Grüne Gur" nahm wegen ihres hohen Gehaltes an Eisenoxyd eine gelbliche, hell rosa bis rötliche Farbe an.

Bei dem Brennen entwichen stinkende schwefelsäurehaltige Dämpfe.

Aufbereitung durch Öfen

a) Schachtofen

Die Schachtöfen bestanden aus 3 m langen Schächten, in die von unten 230 °C heiße Luft durch die Kieselgur eingeblasen wurde. Die organischen Substanzen und das Eisen wurden hierbei aber nur unvollständig entfernt. Man erhielt eine "Saure Schachtofen-Gur" im pH-Wert von unter 7.

b) Etagenofen

Diese Öfen bestanden aus 8 verschiedenen Etagen.

In den ersten 4 Etagen wurde die Gur getrocknet.
In den beiden folgenden Etagen wurde sie bei 600 - 800 °C gebrannt.
In den letzten beiden Etagen wurde die Kieselgur abgekühlt.

Windsichtung

Teilweise wurde die Kieselgur, z. B. die Gur, die zur Filtration verwandt werden sollte, windgesichtet. Durch einen Luftstrom wurden Sand und andere Grobteile entfernt.


Eigenschaften

- hohes Aufsaugvermögen
- geringes spezifisches Gewicht
- schlechter Wärmeleiter
- Feuer- und Säurebeständigkeit
- hohe Filtereigenschaften


Verwendung
Kieselgur ist vielseitig verwendbar, unter anderem als Filter – sowohl für Abwässer als auch für Getränke und Öle und Filteranlagen in Schwimmbädern –, als Füllstoff in Wärmeisolierungen, Baustoffen, Anstrichmitteln, Kunststoffen, Papier, Tabletten und Pudern, als Schleif- und Poliermittel, als Abrasiv in Reinigungsmitteln, in der Tierfütterung, als Träger für Düngemittel, Pestizide, Insektizide und Katalysatoren.

Während des Zweiten Weltkrieges diente es als Trägermaterial für Zyklon-B-Gas, welches zum Massenmord in deutschen Vernichtungslagern eingesetzt wurde. Wird das erschütterungsempfindliche Nitroglycerin mit Kieselgur vermengt, entsteht daraus das stoßunempfindliche Dynamit, das deshalb in der älteren Literatur auch als „Gurdynamit“ bezeichnet wird. Durch diese Erfindung kam Alfred Nobel zu seinem großen Vermögen. Da die Kieselgur nicht an der Explosionsreaktion teilnimmt (sie ist nicht brennbar), wurde es bei der Dynamitproduktion durch besser geeignete Stoffe ersetzt, die aktiv an der Explosion teilnehmen können (z. B. Kollodiumwolle).

Durch die Zugabe von Kieselgur wird die Beständigkeit und Wetterfestigkeit des Asphalts erhöht.

Autoreifen werden abriebfester und temperaturbeständiger.

Bei Farben und Lacken wird durch die Zugabe von Kieselgur verhindert, dass sich nach einiger Lagerzeit die Pigmente am Boden absetzen.

Zement, Mörtel und Beton wird durch die Zugabe von Kieselgur plastischer und die Verarbeitung wird erleichtert.

Bei Düngemitteln wird verhindert, dass die Düngekörner zusammenkleben.

In der Margarine- und Fettherstellung wird die Kieselgur als Katalysator verwendet.

Auf Grund seiner porenreichen Struktur eignet sich Kieselgur hervorragend als Filtrationsmittel, um (Trink-)Wasser zu entkeimen, Trüb- und Schwebstoffe zu entfernen und Bakterien zurückzuhalten.


Kieselgur auf und in den Hund

 

Kieselgur ist ein ungiftiges und hochwirksames Insektizid. Das bedeutet, dass es für alle Insekten tödlich ist, weil der zarte Staub sich in die winzigen Atemmöglichkeiten der Insekten setzt und diese ersticken. Beim Einpudern unserer Tiere sollte man darauf achten, dass diese den Feinstaub nicht einatmen, auch wenn sie davon nicht sterben können.
Mit diesem natürlichem Mittel kann man Demodikose, Flöhe, Herbstgrasmilben, Hautirritationen, Zecken u. v. m. von seinem Vierbeiner fernhalten, ohne mit der herkömmlichen Chemie dem Hund zu schaden.

 


Anwendung bei Flöhen:
Kieselgur, gemahlene Silikat-Skelette, ein hochwirksames Mittel gegen Flöhe und zudem ungefährlich bei äußerlicher Anwendung für alle Nicht-Insekten, Haustiere und den Menschen. Die bestäubten Ektoparasiten gehen durch Austrocknen zugrunde. Wirkt auch gegen Floheier. Dieses Pulver kann man laut Hobbythek auch bedenkenlos bei Haustieren anwenden. Ist allerdings eine sehr staubige Angelegenheit und bei einem Langhaarhund wohl schwieriger anzuwenden. Man sollte allerdings die Behandlung im Freien durchführen und darauf achten, dass der Staub weder von Mensch noch Tier eingeatmet wird.

Hundekissen:
Man nehme einen blauen Müllsack und gebe dort Kieselgur hinein. Körbchen hineinstopfen und ordentlich durchschütteln - alles Getier und deren Eier sterben ab.

Herbstgrasmilben:
Kieselgur ist auch bei den Gärtnern sehr beliebt, da der Boden aufgelockert wird und dadurch aufnahmefähiger ist. Kieselgur im Garten ausstreuen und die lästigen Herbstgrasmilben sind vernichtet. Wie oft das gemacht werden muss, hängt davon ab, wie oft die Plagegeister eingeschleppt werden.

Am Hund:
Hat der Hund Herbstgrasmilben am Körper, kann man diese mit Kieselgur betupfen. Kieselgur ist absolut ungiftig und kann sogar in das Futter gegeben werden, weil es Fell und Krallen gut tut.
Innerhalb der Wohnung sollte es allerdings nicht verstreut werden, weil es ganz fürchterlich staubt und kaum aus den Ritzen zu bekommen ist.

Das Umfeld wird mit einem Dampfreiniger bearbeitet, weil Flöhe/Eier ab 60° absterben.


Kieselgur im Futter:
Nicht nur auf der Haut ist Kieselgur gesund für Haut und Fell, sondern auch im Körper sorgt es durch seine organischen Bestandteile für die Unterstützung von Haut und Fell.

Fellprobleme verbessern sich meist deutlich, wenn der Hund äußerlich und innerlich mit Kieselgur versorgt wird.