Beagle von der Theresienhöhe

- to be different makes the difference -


Die Hündin

Läufigkeit, Hormone & „stille Post“:

Was passiert wirklich bei euren Hündinnen?

In Gesprächen mit Hundehaltern bin ich immer wieder überrascht, wie viele Mythen und „in Stein gemeißelte“ Ansichten über das Sexualverhalten unserer Vierbeiner kursieren. Oft wird das Zusammenleben mit intakten Hunden beiderlei Geschlechts pauschal als „unzumutbarer Stress“ abgestempelt.

 

Aber ist das wirklich so?

Um das zu beurteilen, müssen wir verstehen, was im Körper einer Hündin eigentlich passiert.

Denn im Gegensatz zu manchem Technik-Hersteller verbaut die Natur keine unnötigen „Apps“ – die Sexualhormone haben einen tiefen Sinn für die Entwicklung und Gesundheit eurer Hunde.

 

Das erste Mal - Wann geht es los?

Wann eine Hündin das erste Mal läufig wird, ist individuell.

Grob gesagt: Kleine Hunde sind meist früher dran (ab ca. 6 Monaten), große Rassen sind eher Spätentwickler,  Herdenschutzhunde lassen sich manchmal bis zu zwei Jahre Zeit.

 

Einflussfaktoren sind:

  • Die Größe: Kleine Rassen reifen in der Regel schneller.
  • Das Umfeld: Hündinnen synchronisieren sich oft – oder die ältere Hündin „deckelt“ die jüngere, die dann erst mal pausiert.
  • Der Ernährungszustand: Nur wenn genug Reserven für eine (theoretische) Trächtigkeit da sind, gibt der Körper das Startsignal.
  • Wichtig: Eine Hündin braucht oft bis zu drei Zyklen, bis sich alles eingespielt hat. In dieser Zeit findet auch die Pubertät statt – ein entscheidender Reifeprozess für das Verhalten.

Der Zyklus: Ein kleiner Hormon-Guide

 

Der Proöstrus (Vorbrunst) – Die „ADHS-Phase“

Hier beginnt die Action.

Die Vulva schwillt an, es kommt zu blutigem Ausfluss.

Dank eines Cocktails aus Östrogen, Dopamin und Serotonin wird aus eurer Couch-Potato plötzlich eine kleine „ADHSlerin auf Speed“.

  • Verhalten: Sie markiert viel, testet Rüden im Spiel auf Fitness und Gesundheit (denn nur die besten Väter zählen!), zeigt Konkurrentinnen aber meist die kalte Schulter.
  • Fruchtbarkeit: In dieser Phase ist sie noch nicht deckbereit und wird Rüden charmant, aber bestimmt abweisen.

Der Östrus (Brunst) – Die „Stehtage“

Jetzt wird es ernst. Das Östrogen sinkt, das Progesteron steigt. Die Hündin ist fruchtbar. (In der Regel ab dem 10. Tag, dies kann aber absolut variieren!) 

  • Der Duldungsreflex: Nähert sich ein Rüde, bleibt sie stehen und dreht die Rute zur Seite. Ihr Blick sagt: „Werde der Vater meiner Kinder – sofort!“
  • Eure Aufgabe: Jetzt heißt es: Leine dran und Rüden meiden, außer ihr wollt in 63 Tagen eure eigene Beaglemeute euer Eigen nennen.

Der Diöstrus (Nachläufigkeit) & die Scheinträchtigkeit

Die Symptome klingen ab, aber innerlich bleibt es spannend.

Jede intakte Hündin wird hormonell „scheinträchtig“ (ca. 63 Tage lang), da das Progesteron hoch bleibt – egal ob sie gedeckt wurde oder nicht.

 

  • Verhalten: Dank des Botenstoffs GABA werden Hündinnen oft ruhiger, anhänglicher und vorsichtiger.
  • Scheinmutterschaft: Wenn das Hormon Prolaktin ins Spiel kommt, beginnen manche Hündinnen, Stofftiere zu bemuttern oder „Wurfhöhlen“ im Garten zu buddeln. Das ist keine Krankheit, sondern ein biologisch sinnvoller Vorgang!

Der Anöstrus – Die Ruhepause

Die hormonelle Pause. Alle Werte fahren runter, die Hündin ist für Rüden uninteressant und ihr könnt bis zur nächsten Läufigkeit tief durchatmen.

 

Warum das Training mit läufigen Hündinnen so wichtig ist

Leider wird der Spaziergang mit einer läufigen Hündin oft zum Spießrutenlauf.

Viele Hundeschulen schließen läufige Hündinnen sogar aus.

Warum eigentlich?

Das ist das wahre Leben!

Wo, wenn nicht unter kontrollierten Bedingungen, sollen Rüden lernen, sich trotz Ablenkung zu benehmen?

Und wo sollen Hündinnen lernen, dass ihr Mensch sie vor aufdringlichen Verehrern schützt?

 

Mein Appell an euch: Gebt euren Hunden die Chance, erwachsen zu werden. Sexualhormone sind wichtig für das Immunsystem, den Stoffwechsel und die psychische Stabilität. Eine Kastration sollte immer eine Einzelfallentscheidung sein und nicht vor dem 3. Lebensjahr stattfinden.

 

Fazit: Ja, das Leben mit intakten Hunden fordert uns als Halter manchmal heraus.

Es gibt diese Tage, an denen man das Skalpell metaphorisch schon in der Hand hält.

Aber unterm Strich sind es nur ein paar Tage im Jahr – ein kleiner Preis für einen körperlich und geistig ausgereiften, gesunden Hund.