Beagle von der Theresienhöhe- to be different makes the difference -JagdverhaltenWarum wir unsere Hunde oft falsch verstehen Habt ihr euch schon mal gefragt, warum euer Hund in einem Moment der liebste Begleiter ist und im nächsten – völlig ohne Vorwarnung – wie ein Pfeil hinter dem Nachbarskaninchen herjagt? Oft wird dieses Verhalten mit Aggression verwechselt, besonders wenn es zu brenzligen Situationen kommt. Doch die Wissenschaft, unter anderem vertreten durch Sophie Strodtbeck und Dr. Udo Gansloßer, stellt klar: Jagd- und Aggressionsverhalten haben nichts miteinander zu tun. Zwei Welten im Hundekopf Für euch ist es wichtig zu wissen, dass diese Verhaltensweisen in völlig unterschiedlichen „Funktionskreisen“ im Gehirn entstehen. Während Aggression (egal ob aus Angst oder zur Verteidigung) im emotionalen Zentrum – dem limbischen System – entsteht und mit Gefühlen wie Wut oder Stress verbunden ist, ist das Jagdverhalten dort fast völlig ausgegliedert. Ein jagender Hund ist also nicht „böse“ oder wütend. Er befindet sich in einem hochkonzentrierten Zustand, der eher einem Rausch ähnelt. Wenn die Lawine erst einmal rollt, schüttet der Körper Dopamin und Endorphine aus. Euer Hund ist dann quasi auf seiner eigenen „Glücksdroge“. Die Falle mit der Kastration Vielleicht habt ihr schon die Aussage gehört: „Lass ihn kastrieren, dann jagt er weniger.“ Doch Vorsicht: Das ist ein weit verbreiteter Irrtum! Die Erfahrungen und Untersuchungen zeigen oft das Gegenteil. Da Sexualhormone das Beutefangverhalten eher dämpfen, kann der Wegfall dieser Hormone nach einer Kastration dazu führen, dass euer Hund sich noch mehr für die Jagd interessiert. Der „Tunnelblick“: Er hört euch wirklich nicht Kennt ihr das? Ihr ruft, pfeift und schreit, aber euer Hund reagiert nicht einmal mit einem Ohrenzucken? Das hat nichts mit einer mangelnden Bindung zu euch zu tun. Sobald die Jagdkette startet, schaltet das Gehirn auf Durchzug. Andere Reize werden ausgeblendet – euer Hund hat einen biologisch bedingten Tunnelblick.
Was könnt ihr tun? Da ihr eine rollende Lawine im Tal nicht mehr stoppen könnt, müsst ihr den „Lawinenschutz“ oben am Hang errichten:
Verständnis für die Biologie eures Hundes ist der erste Schritt zu einem entspannteren Miteinander. Jagdtrieb ist kein Charakterfehler, sondern ein tief verwurzeltes Programm, das wir gemeinsam mit unseren Hunden in die richtigen Bahnen lenken müssen. Beim Beutefangverhalten dominieren AussenreizeDie Dynamik der Jagd: Wenn die Lawine ins Rollen kommt Man kann sich das Jagdverhalten wie eine Lawine vorstellen, die am Berggipfel losbricht: Je weiter euer Hund in die Beutefangkette eintaucht, desto mehr verliert er die Selbstkontrolle. Während am Anfang noch die innere Motivation die Suche antreibt, übernehmen im weiteren Verlauf fast ausschließlich die äußeren Reize das Kommando. Es findet ein schleichender Kontrollverlust statt. Die Handlungsbereitschaft baut sich mit einer solchen Wucht auf, dass es für den Hund biologisch immer schwieriger – fast unmöglich – wird, die Kette eigenständig abzubrechen.
Der biologische Tunnelblick In diesem Moment passiert etwas Faszinierendes und Gefährliches zugleich: Das Gehirn eures Hundes beginnt, radikal zu selektieren. Alle Sinneseindrücke, die nicht unmittelbar mit der Beute zu tun haben, werden gnadenlos ausgefiltert. Wenn euer Hund also hinter dem Hasen herhetzt (in der sogenannten gerichteten Appetenz), ist das kein Ignorieren eurer Kommandos aus Sturheit. Er hört euch in diesem Moment schlichtweg nicht mehr. In seinem Tunnelblick existiert weder der rufende Halter noch das herannahende Auto – für ihn zählt in diesem biochemischen Rausch nur noch das Ziel vor seiner Nase. Sequenzen des JagdverhaltensDie Abfolge des Jagd- und Beutefangverhaltens bei Hunden, Wölfen und anderen größeren Beutegreifern besteht aus einer Reihe von (sieben) Verhaltenselementen bzw. Sequenzen, die jeweils durch eine ihnen spezifische Kombination aus Außenreizen und innerer Handlungsbereitschaft gestartet werden. 1. Suchverhalten 2. Reizausrichtung (Taxis) 3. Annähern 4. Anschleichen 5. Zupacken und Festhalten 6. Töten 7. Fressen
Die erste Phase, das sog. ungerichtete Such- oder Appentenzverhalten, aktiviert noch alle Sinne. Der Hund ist für Düfte, Geräusche und Bewegungen gleichermaßen offen, und diese Phase ist auch noch stark durch innere Faktoren gesteuert. Findet er eine interessante Spur, sieht er z.B. den Hasen, dann folgt als zweite Phase das Ausrichten auf diesen Reiz, in der Fachsprache Taxis genannt. Danach folgt das gerichtete Appentenzverhalten, also das Annähern und Anschleichen, gefolgt vom Zupacken/Festhalten, Töten und Fressen. |