Impfungen & Viren
Schutz mit Augenmaß
Das Thema Impfen wird heute oft kontrovers diskutiert, doch das Ziel bleibt gleich:
Wir wollen unseren Hunden ein langes, gesundes Leben ermöglichen.
Dabei gilt der Leitspruch:
„So viel wie nötig, so wenig wie möglich.“
Ein moderner Impfschutz bedeutet nicht, jedes Jahr blind „alles“ zu spritzen. Stattdessen geht es darum, mit Sinn und Verstand vorzugehen.
Nach einer soliden Grundimmunisierung im Welpenalter halten viele Impfstoffe deutlich länger, als früher angenommen wurde.
In den folgenden Abschnitten erfahrt ihr, welche Erkrankungen wirklich relevant sind und in welchen Intervallen ihr eure Hunde schützen solltet.
Die wichtigsten Erkrankungene und ihre Intervalle
Man unterscheidet zwischen Core-Komponenten (Schutz gegen lebensbedrohliche Erreger) und Non-Core-Komponenten (individueller Schutz je nach Lebensumstand).
Staupe
Diese hochgefährliche Viruserkrankung befällt verschiedene Organsysteme. Sie kann zu starkem Erbrechen, Durchfall, Atemwegsproblemen und im Spätstadium zu schweren neurologischen Schäden führen.
Da die Heilungschancen bei einem schweren Verlauf gering sind, gehört dieser Schutz zum Standardprogramm für euch und eure Hunde.
- Atemwege: Starker Ausfluss aus Nase und Augen (oft eitrig), Husten und Atemnot.
- Magen-Darm: Heftiges Erbrechen und wässriger bis blutiger Durchfall.
- Nervensystem: Zittern, Krämpfe („Staupe-Tick“) oder Lähmungserscheinungen.
- Besonderheit: Manchmal verdickt sich die Hornhaut an Nase und Pfotenballen (Hard Pad Disease).
Impfintervall:
- Nach der vollständigen Grundimmunisierung (8. +12. Woche) und einer Auffrischung nach 12 Monaten) halten moderne Impfstoffe in der Regel 3 Jahre.
- Gültigkeit: Ein jährliches Nachimpfen dieser Komponenten ist bei erwachsenen Hunden nach aktuellem wissenschaftlichem Stand meist nicht notwendig. Das bedeutet, es genügt alle 3 Jahre aufzufrischen. Vorab macht ein Titertest Sinn.
Parvovirose
Besonders für Welpen und junge Hunde ist das Parvovirus eine enorme Bedrohung.
Es führt zu schwerem, oft blutigem Erbrechen und Durchfall, was innerhalb kürzester Zeit zur Dehydrierung führen kann.
Die Viren sind extrem widerstandsfähig in der Umwelt, weshalb eine Impfung hier eure wichtigste Verteidigungslinie darstellt.
- Plötzliche, extreme Schlappheit und Futterverweigerung.
- Unstillbares Erbrechen und sehr starker, oft blutig-stinkender Durchfall.
- Rasante Dehydrierung (Austrocknung), die innerhalb von 24 bis 48 Stunden lebensgefährlich werden kann.
Impfintervall:
- Nach der vollständigen Grundimmunisierung (8. +12. Woche) und einer Auffrischung nach 12 Monaten) halten moderne Impfstoffe in der Regel 3 Jahre.
- Gültigkeit: Ein jährliches Nachimpfen dieser Komponenten ist bei erwachsenen Hunden nach aktuellem wissenschaftlichem Stand meist nicht notwendig. Das bedeutet, es genügt alle 3 Jahre aufzufrischen. Vorab macht ein Titertest Sinn.
Hepatitis Contagiosa Canis
Diese ansteckende Leberentzündung wird durch Adenoviren ausgelöst.
Die Symptome reichen von Fieber bis hin zu schwerem Leberversagen.
Dank konsequenter Impfstrategien ist diese Erkrankung seltener geworden, bleibt aber für ungeimpfte Tiere gefährlich.
- Schmerzhafter, angespannter Bauch (Leberentzündung).
- Trübung der Hornhaut im Auge (das sogenannte „Blue Eye“).
- Einbrüche im Allgemeinbefinden bis hin zum Koma.
Impfintervall:
- Nach der vollständigen Grundimmunisierung (8. +12. Woche) und einer Auffrischung nach 12 Monaten) halten moderne Impfstoffe in der Regel 3 Jahre.
- Gültigkeit: Ein jährliches Nachimpfen dieser Komponenten ist bei erwachsenen Hunden nach aktuellem wissenschaftlichem Stand meist nicht notwendig. Das bedeutet, es genügt alle 3 Jahre aufzufrischen. Vorab macht ein Titertest Sinn.
Leptospirose
Im Gegensatz zu vielen anderen Erregern handelt es sich hierbei um Bakterien, die oft über den Urin von Nagetieren (z. B. in Pfützen) übertragen werden.
Da die Leptospirose eine Zoonose ist, sich also auch auf euch Menschen übertragen kann, ist der Schutz hier doppelt wichtig.
Die Krankheit schädigt vor allem Leber und Nieren.
- Fieber, Zittern und Muskelschmerzen (der Hund bewegt sich steif).
- Gelbsucht (gelbliche Verfärbung der Augenweiß oder der Schleimhäute).
- Häufiges Trinken und verminderter Urabsatz (Anzeichen für Nierenversagen).
Impfintervall:
- Intervall: Hier ist in der Regel eine jährliche Auffrischung nötig, da der Schutz nach 12 Monaten deutlich nachlässt.
Zwingerhusten (Parainfluenza)
Dabei handelt es sich um einen Infektionskomplex der Atemwege.
Er ist zwar meist nicht lebensbedrohlich, kann aber sehr hartnäckig sein und zu chronischem Husten führen.
- Trockener, bellender Husten, der oft klingt, als hätte der Hund etwas im Hals stecken.
- Würgen oder Ausspucken von weißem Schleim nach dem Hustenanfall.
- Der Husten tritt besonders bei Belastung oder Druck auf den Kehlkopf (Ziehen an der Leine) auf.
Die Impfung gegen Zwingerhusten lässt sich mit unserer Grippeschutzimpfung vergleichen.
es gibt enorm Viele Varianten und nicht jede wird durch die Impfung abgedeckt.
Impfintervall:
- Nach der vollständigen Grundimmunisierung (8. +12. Woche) und einer Auffrischung nach 12 Monaten) halten moderne Impfstoffe in der Regel 3 Jahre.
- Ein Jährliches Nachimpfen macht nur Sinn, wenn der Hund regelmäßig in großen Hundegruppen (z.B. in der Hundepension) unterwegs ist, oder man in einem Gebiet mit extrem vielen Hunden wohnt.
Tollwut
Die Tollwut ist weltweit eine der gefürchtetsten Krankheiten, da sie nach Ausbruch der Symptome immer tödlich endet – auch für Menschen. Aufgrund strenger Gesetze und Grenzbestimmungen ist dieser Schutz für euch besonders relevant, wenn ihr mit eurem Hund verreisen möchtet.
- Stille Wut: Scheue Hunde werden plötzlich anhänglich, oder umgekehrt.
- Rasende Wut: Aggressivität, extremes Speicheln, Schluckbeschwerden und Hydrophobie (Angst vor Wasser), gefolgt von Lähmungen.
Tollwut gilt in Deutschland zwar aktuell ausgerottet, bleibt aber aufgrund der tödlichen Gefahr für Tier und Mensch sowie für Grenzübertritte (Urlaub!) unerlässlich.
Tollwutfall in Deutschland:
Im Februar 2026 wurde in Rheinland-Pfalz ein Tollwutfall bei einem aus Russland importierten Welpen amtlich bestätigt
Das Tier verstarb Ende Januar, trotz vorliegender, vermutlich gefälschter Impfpapiere. Es handelt sich um einen Importfall.
Infos über diesen Fall findet ihr hier: KLICK
Impfintervall:
- Intervall: Die erste Tollwutimpfung erfolgt in der Regel mit der 12. Woche. Wir empfhelen aber bis nach dem Zahnwechsel zu warten. Die meisten Hersteller garantieren eine Gültigkeit von 3 Jahren. Verlangt vor dem Impftermin unbedingt die 3-Jährige Impung. Beachtet dazu auch unsere Informationen in Eurer Welpenmappe!
- Wichtig für euch: Achtet darauf, dass euer Tierarzt einen 3-Jahres-Intervall im EU-Heimtierausweis einträgt, damit ihr nicht jährlich zum Nachimpfen müsst.
Impftiter
Was ist ein Impftiter?
Einfach erklärt: Der Titer ist ein Maßstab für die Menge an schützenden Antikörpern im Blut eurer Hunde. Wenn euer Hund geimpft wurde oder eine Krankheit durchgemacht hat, bildet sein Immunsystem diese Abwehrstoffe.
Anstatt nach einem festen Zeitplan (z. B. alle 3 Jahre) pauschal nachzuimpfen, könnt ihr durch eine Blutuntersuchung feststellen lassen, ob noch genügend Schutz vorhanden ist.
Ist der Titer hoch genug, ist eine erneute Impfung zu diesem Zeitpunkt schlichtweg nicht nötig.
Die Vorteile für euch und euren Hund
- Vermeidung von Überimpfung: Ihr belastet den Organismus eurer Hunde nicht unnötig mit Wirkstoffen und Adjuvanzien (Zusatzstoffen), wenn das Immunsystem noch voll einsatzbereit ist.
- Sicherheit: Ihr wisst schwarz auf weiß, dass euer Hund geschützt ist. Ein Impfdatum im Pass garantiert nämlich nicht immer, dass der Körper auch wirklich eine Immunität aufgebaut hat (sogenannte „Impfversager“).
- Individuelle Vorsorge: Besonders bei älteren Hunden oder Tieren mit Vorerkrankungen bietet der Titer-Test eine sanfte Möglichkeit, den Schutzstatus zu überwachen, ohne ein Risiko einzugehen.
Wo könnt ihr den Titer testen lassen?
- Bei eurem Haustierarzt: Dies ist der erste Anlaufpunkt. Euer Tierarzt nimmt eurem Hund eine kleine Menge Blut ab.
- Fachlabor: Die Blutprobe wird in der Regel an ein spezialisiertes Veterinärlabor (wie z. B. Laboklin oder IDEXX) geschickt. Dort wird präzise gemessen, wie viele Antikörper gegen Staupe, Parvovirose und Hepatitis (S-P-H) vorhanden sind.
- Schnelltests in der Praxis: Es gibt mittlerweile auch Schnelltests (z. B. den Vaccicheck), die direkt in der Tierarztpraxis durchgeführt werden können. Diese liefern innerhalb kurzer Zeit ein Ergebnis („Schutz vorhanden“ oder „nicht vorhanden“), sind aber manchmal etwas weniger detailliert als eine Laboranalyse.
Da viele Tierärzte lieber impfen statt testen, könnt ihr beim Tierarzt einfach 1ml EDTA-Blut abnehmen lassen und die Blutprobe selbst einsenden. Eine sehr gute Adresse hierzu ist: https://www.titertest.de/
Die Tollwut-Ausnahme
Hier müsst ihr besonders aufpassen: Während ihr bei Staupe oder Parvovirose flexibel auf Basis des Titers entscheiden könnt, gelten bei der Tollwut strenge rechtliche Regeln.
- Für den Gesetzgeber und bei Grenzübertritten zählt nur das eingetragene Gültigkeitsdatum im EU-Heimtierausweis.
- Selbst wenn euer Hund einen gigantischen Tollwut-Titer hat: Ist das Datum im Pass abgelaufen, gilt er rechtlich als ungeimpft. Ein Titer-Test ersetzt hier also leider nicht die Impflicht, wenn ihr verreisen wollt.
Warum manche Impfungen unnötig sind
Nicht jede verfügbare Impfung ist für jeden Hund sinnvoll. Es gibt Präparate, bei denen ihr genau abwägen solltet, ob der Nutzen das Risiko von Nebenwirkungen überwiegt:
- Borreliose: Diese Impfung ist umstritten. Sie schützt nur gegen bestimmte Borrelien-Stämme und ersetzt keinesfalls den Zeckenschutz. Oft ist die Wirksamkeit geringer als erhofft, weshalb viele Tierärzte sie nicht standardmäßig empfehlen.
- Leishmaniose: Diese Impfung kommt meist nur infrage, wenn ihr mit eurem Hund in Mittelmeerregionen reist. Für „Heimschläfer“ in Deutschland ist sie in der Regel überflüssig.
- Pilzerkrankungen: Impfungen gegen Hautpilz werden meist nur therapeutisch in großen Beständen (z. B. Tierheim) eingesetzt und gehören nicht zur Routine für euren Familienhund.