Ein Kreuzbandriss (KBR) gehört zu den häufigsten orthopädischen Erkrankungen beim Hund und führt unbehandelt oft zu chronischen Schmerzen und schwerer Arthrose. Hier ist ein umfassender Überblick über das Krankheitsbild, die Ursachen und die Behandlungsmöglichkeiten.
Was ist ein Kreuzbandriss
Im Kniegelenk des Hundes gibt es zwei Kreuzbänder, die den Oberschenkelknochen mit dem Schienbein verbinden. Sie stabilisieren das Gelenk und verhindern, dass der Unterschenkel nach vorne wegrutscht (das sogenannte „Schubladenphänomen“). Reißt das vordere Kreuzband – meist durch eine schleichende Degeneration und seltener durch ein akutes Trauma – verliert das Knie seine Stabilität.
Zwei Faktoren spielen eine entscheidende Rolle bei der Erhöhung des Risikos:
Übergewicht: Jedes Gramm zu viel belastet die Gelenke und Bänder mechanisch. Bei einem übergewichtigen Hund steht das Kreuzband unter einer permanenten Überbeanspruchung, die den Verschleiß massiv beschleunigt.
Der hormonelle Status: Hormone spielen eine wesentliche Rolle für den Erhalt und Aufbau einer stabilen Stützmuskulatur. Fehlen diese Hormone, kann dies die Muskeldichte und die Festigkeit des Bindegewebes negativ beeinflussen.
Die Risiko-Kombination: Besonders gefährlich ist die Kombination aus beiden Faktoren. Ein Hund, dem wichtige muskelaufbauende Hormone fehlen und der gleichzeitig zu viel Gewicht trägt, hat ein extrem hohes Risiko. Die fehlende muskuläre Stabilisierung trifft hier auf eine erhöhte mechanische Last – eine fatale Belastung für den Bandapparat.
OP-Risiko durch Übergewicht: Oftmals kann der Hund nicht der benötigten Operation unterzogen werden solange er massives Übergewicht hat.
Behandlung beim Tierarzt
In den meisten Fällen, insbesondere bei Hunden über 10 kg, ist eine Operation die Methode der Wahl, um Folgeschäden wie Meniskusriss und massive Arthrose zu verhindern.
TPLO (Tibial Plateau Leveling Osteotomy): Der Schienbeinkopf wird durchtrennt und so gedreht, dass die Biomechanik des Knies verändert wird und das Kreuzband nicht mehr benötigt wird.
TTA (Tibial Tuberosity Advancement): Hier wird ein Teil des Schienbeins nach vorne versetzt, um die Kräfte im Knie umzulenken.
Extrakapsulärer Bandersatz: Ein künstliches Band wird außerhalb des Gelenks angebracht (eher für kleine Hunde geeignet).
Alternative & konservative Behandlung
Unter bestimmten Vorraussetzungen kann eine konservative Methode versucht werden:
Orthesen: Maßangefertigte Schienen, die das Knie von außen stabilisieren.
Striktes Gewichtsmanagement: Die wichtigste Säule, um das andere (noch gesunde) Bein zu entlasten.
Schmerztherapie: Medikamentöse Einstellung durch den Tierarzt.