Beagle von der Theresienhöhe

- to be different makes the difference -


Die Schilddrüsenunterfunktion

Die Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) ist eine der am häufigsten fehldiagnostizierten hormonellen Erkrankungen beim Hund.

Da die Schilddrüse wie ein „Gaspedal“ für den gesamten Stoffwechsel fungiert, wirkt sich ein Mangel an Hormonen auf fast jedes Organ aus.

Hier findet ihr einen detaillierten Überblick, damit ihr die Zusammenhänge besser versteht und wisst, worauf es bei der Diagnose wirklich ankommt.

Was passiert bei der Schilddrüsenunterfunktion?

Bei einer Hypothyreose produziert die Schilddrüse zu wenig Hormone (vor allem Thyroxin).

Das führt dazu, dass der gesamte Stoffwechsel eures Hundes auf Sparflamme läuft.

Man unterscheidet meist zwischen der lymphozytären Thyreoiditis (eine Autoimmunerkrankung, bei der der Körper das eigene Gewebe angreift) und der idiopathischen Atrophie (ein schrittweiser Gewebeabbau).

 

Ursachen und Auslöser

  • Genetik: Bestimmte Rassen (z. B. Golden Retriever, Dobermann, Rhodesian Ridgeback) sind häufiger betroffen.
  • Autoimmunprozesse: Das Immunsystem zerstört fälschlicherweise die hormonproduzierenden Zellen.
  • Umwelteinflüsse & Stress: Chronischer Stress oder Entzündungen im Körper können das Hormonsystem belasten.
  • Andere Faktoren: In seltenen Fällen können Jodmangel oder Tumore eine Rolle spielen. Auch hormonelle Eingriffe z.B. die Kastration oder Medikamente können die Schilddrüse durcheinander bringen. 

Die Symptome

Ein Chamäleon unter den Krankheiten

Da jedes Organ betroffen sein kann, sind die Symptome oft unspezifisch. Achtet bei eurem Hund besonders auf folgende Anzeichen:

  • Haut und Fell: Trockenes, stumpfes Fell, Haarausfall (oft symmetrisch an den Flanken), „Rattenschwanz“ (Haarverlust am Schwanz) oder wiederkehrende Hautinfektionen.
  • Verhalten: Antriebslosigkeit, Traurigkeit, plötzliche Schreckhaftigkeit oder auch unerklärte Aggression („Schilddrüsen-Angsthund“).
  • Stoffwechsel: Enorme Gewichtszunahme trotz gleicher Futtermenge und Kälteempfindlichkeit (euer Hund sucht ständig warme Plätze auf).
  • Neurologie: Ein verlangsamter Herzschlag (Bradykardie) oder eine ausgeprägte Muskelschwäche.

Die Diagnose

Warum man zwingend 8 Blutwerte zur sicheren Diagnose benötigt

 

Ein großer Fehler in vielen Praxen ist es, nur den T4-Wert zu bestimmen. Dieser kann auch durch andere Krankheiten absinken (das nennt man dann „Euthyroid Sick Syndrome“), ohne dass die Schilddrüse selbst krank ist.

Auch zeigt sich eine Schilddrüsenunterfunktion häufig trotz dass der T4-Wert im normalen niedrigen Bereich ist -dennoch liegt oftmals bereits eine SDU vor.

Um eine sichere Diagnose zu stellen, braucht ihr ein vollständiges Schilddrüsenprofil, das im Idealfall folgende 8 Parameter umfasst:

WERT Warum dieser Wert wichtig ist
T4 (Gesamt-Thyroxin) Der Basiswert des Hormonspiegels im Blut.
fT4 (Freies T4) Der biologisch aktive Teil des Hormons; aussagekräftiger als das Gesamt-T4.
T3 (Gesamt-Trijodthyronin) Das eigentlich wirksame Hormon in den Zellen.
fT3 (Freies T3) Die aktive Form des T3, wichtig zur Beurteilung der Umwandlung.
TSH (Thyrotropin) Das Steuerhormon der Hypophyse. Ist es hoch und T4 niedrig, spricht das klar für eine Unterfunktion.
T4-Antikörper Zeigt an, ob das Immunsystem Hormone angreift (wichtig bei Autoimmunerkrankungen).
T3-Antikörper Analog zu T4-Antikörpern, um Fehlmessungen auszuschließen.
Thyreoglobulin-Antikörper (TgAK) Der wichtigste Marker, um eine beginnende Autoimmunentzündung frühzeitig zu erkennen.

 

Laborempfehlung

Unsere Empfehlung ist, das große Schilddrüsenprofil bei LABOKLIN in Auftrag zu geben. Hier haben wir die besten Erfahrungen!

 

Die Bestellnummern für die erforderlichen Profile sind: 

  • Nr. 2086 alle 8 SD Werte.
  • Nr. 1208 bekommt man ein geriatrisches Profil + SDMA um andere Krankheiten auszuschließen.

Warum dieser Aufwand? Ohne diese Differenzierung riskiert ihr, dass euer Hund lebenslang Medikamente bekommt, die er vielleicht gar nicht braucht, oder dass eine andere Erkrankung übersehen wird, weil die Standardwerte noch „im Rahmen“ liegen.

Die Behandlung

Die gute Nachricht: Eine Schilddrüsenunterfunktion ist sehr gut behandelbar, wenn auch meist ein Leben lang.

  • Substitution: Euer Hund bekommt die fehlenden Hormone in Tablettenform (meist Levothyroxin).
  • Einschleichphase: Man beginnt oft mit einer niedrigen Dosis und steigert diese langsam.
  • Nachkontrolle: Nach ca. 4 bis 8 Wochen müssen die Blutwerte erneut geprüft werden, um die Dosis optimal anzupassen. Die Blutentnahme sollte dabei immer im gleichen zeitlichen Abstand zur Tablettengabe erfolgen (meist 4–6 Stunden danach).

Sobald die Einstellung stimmt, werdet ihr merken, wie euer Hund wieder Lebensfreude gewinnt, wacher wird und das Fell nachwächst.